Was der EZA-Regler tut – in einem Absatz
Der EZA-Regler (Erzeugungsanlagen-Regler, in der Windbranche „Parkregler“) misst Wirk- und Blindleistung am Netzanschlusspunkt, nimmt Sollwerte vom Netzbetreiber entgegen und verteilt sie auf alle Erzeugungseinheiten – Wechselrichter, Speicher, BHKW. Er sorgt dafür, dass die Anlage als Ganzes das tut, was der Netzanschlussvertrag verlangt: Wirkleistung begrenzen, Blindleistung nach Kennlinie bereitstellen, Rückmeldungen liefern.
Wann ist die Nachrüstung Pflicht?
Die VDE-AR-N 4110 gilt für Anlagen am Mittelspannungsnetz und ist seit April 2019 für Neuanlagen verbindlich. Für Bestandsanlagen gibt es keinen pauschalen Nachrüstzwang – aber vier typische Auslöser, nach denen der Regler in der Praxis gefordert wird:
- Wesentliche Änderung der Anlage. Erweiterung, Repowering, Wechselrichtertausch oder Speichernachrüstung gelten als Änderung des Netzanschlusses. Der Netzbetreiber bewertet die Anlage dann nach aktuellem Regelwerk – inklusive Regelung am NAP.
- Direktvermarktung. Für die Marktprämie muss die Anlage fernsteuerbar sein: Der Direktvermarkter muss die Einspeisung reduzieren und die Istleistung abrufen können. Das lässt sich ohne zentralen Regler nur mit Bastellösungen umsetzen; die meisten Direktvermarkter verlangen inzwischen eine saubere Schnittstelle.
- Aufforderung des Netzbetreibers. Netzbetreiber überprüfen Bestandsanlagen zunehmend im Zuge von Netzausbau, Engpassmanagement (Redispatch 2.0) und der Umstellung auf Fernwirktechnik. Fehlt die Regelbarkeit, kommt ein Schreiben mit Frist.
- Betriebsführerwechsel oder Verkauf. Bei der technischen Due Diligence fällt eine fehlende Regelung und Dokumentation regelmäßig auf und wird zur Bedingung.
Wie die Nachrüstung technisch abläuft
1. Bestandsaufnahme
Welche Wechselrichter mit welcher Firmware und Schnittstelle (RS485, Ethernet, Modbus, herstellerspezifisch)? Wo sitzt die Messung am Netzanschlusspunkt, gibt es Messwandler? Welche Fernwirktechnik will der Netzbetreiber (IEC 60870-5-104, Fernwirk-Box, Kupferkontakte)? Gibt es eine Internetanbindung? Diese Fragen entscheiden über Aufwand und Hardware.
2. Abstimmung mit dem Netzbetreiber
Signalliste, Regelmodi (P-Vorgabe, Q(U), cos φ), Reaktionszeiten und Rückfallwerte werden vorab schriftlich abgestimmt. Wer das überspringt, verliert bei der Abnahme.
3. Hardware
Ein zertifizierter Regler (z. B. auf Phoenix Contact PLCnext), Messung am NAP, Kommunikationstechnik zu den Wechselrichtern (bei alten Anlagen oft die größte Baustelle: Kabelwege, Gateways, Protokollumsetzer), Router/VPN für Fernzugang. Bei Bestandsanlagen als Einbausatz in den vorhandenen Schrank oder als eigener Schaltschrank.
4. Wechselrichter-Parametrierung
Die Wechselrichter müssen dem Regler folgen: externe Sollwertvorgabe aktivieren, Rückfallverhalten setzen, Netzbetreiber-Profil prüfen. Bei gemischten Parks ist das je Hersteller unterschiedlich – und oft der Punkt, an dem Firmware-Updates nötig werden.
5. Inbetriebnahme und Nachweis
Funktionstest aller Regelmodi, Test mit dem Netzbetreiber, Inbetriebnahmeprotokoll, Konformitätserklärung. Wenn ein Anlagenzertifikat betroffen ist, kommt die Zertifizierungsstelle dazu – siehe Anlagenzertifikat B: was der Betreiber liefern muss.
Was es kostet
Die Bandbreite ist groß, weil der Regler selbst nur einen Teil ausmacht. Kostentreiber sind: Anzahl und Alter der Wechselrichter (Kommunikation), Messung am NAP (vorhanden oder neu), Fernwirktechnik des Netzbetreibers, Schaltschrank oder Einbausatz, Entfernung zur Anlage. Für eine typische Dachanlage im Bereich einiger hundert kWp mit einheitlichen Wechselrichtern und vorhandener Messung liegt die Nachrüstung im unteren fünfstelligen Bereich; große Freiflächen mit mehreren Trafostationen entsprechend darüber. Ein Festpreis ist nach Sichtung der Unterlagen möglich – Netzanschlussvertrag, Wechselrichterliste und Übersichtsschaltplan reichen für eine erste Einschätzung.
Häufige Fehler
- Regler kaufen, bevor die Signalliste mit dem Netzbetreiber abgestimmt ist.
- Alte Wechselrichter-Firmware, die keine externe Sollwertvorgabe kann – erst bei der Inbetriebnahme bemerkt.
- Messung am NAP fehlt oder misst an der falschen Stelle (vor/nach Eigenverbrauch).
- Keine Dokumentation der Parametrierung – bei der nächsten Störung beginnt die Suche von vorn.